Die Bücher

Marlies Henzl:
Schulmanagement

Philosophie – Theorie – Praxis

Über das Buch:

Schulmanagement einmal anders, ungewöhnlich und spannend. Ein Buch, das uns innehalten lässt, in einer hektischen, lärmenden Zeit.

Wie schafft es die Autorin, den Leser, die Leserin in ihren Bann zu ziehen?

Da ist vor allem die Öffnung der Sichtweisen von Schule aus dem üblichen Beamtenwinkel auf eine ganzheitliche Schau der „lernenden Schule“, für die als Voraussetzung die Berufszufriedenheit der Lehrenden gilt. Auf dieser Grundlage können die vielfältigen Herausforderungen, die an die heutige Schule gestellt sind erfüllt werden. Das Spannungsfeld zwischen Stabilität und Veränderung erhält einen besonderen Schwerpunkt, der durch den philosophischen Diskurs an Bedeutung gewinnt.

Die Autorin setzt viele Fragen an den Anfang, die zum eigenen Denken anregen. Damit wird klar, dass man es hier nicht mit einem Rezeptbuch zu tun haben wird. Die LeserInnen werden von Anfang an in einen Bezug zu einer höheren Menschenorientierung gebracht. Sie setzt als Maßstab für eine gute Schulführung das dialogische Führen mit Authentizität und lädt die LeserInnen zur Reflexion und zu philosophischem Denken ein. Der Exkurs zur Schulqualitätsdiskussion bezieht sowohl Praxisreflexion als auch theoretische Überlegungen mit ein.

Zum Thema Schulautonomie zeigt die Autorin sehr kritisch auf, wo die Notwendigkeiten sind und welche Grenzen zu beachten sind. Dazu hat sie den „Baum der Entscheidungsfindung“ entwickelt, ein Denkmodell, das sie in vielen Schulleiterseminaren eingesetzt hat, um aufzuzeigen, wie der Weg zu mehr Selbstverantwortung vor allem im Führungsbereich zu gestalten ist.

Eine spannende Darstellung ergibt sich mit der Frage, wie sich die Schule bei Störungen von außen verhält. Sie zeigt auf, wie sich das System einerseits immer wieder ins Gleichgewicht bringt, gleichsam als Schutz gegen Veränderungen. Andererseits wird aufgezeigt, wie Störungen auch zur Weiterentwicklung des Systems beitragen können. Die Beispiele dazu aus ihrer eigenen Schulerfahrung sind überzeugend.

Ein spezielles Segment der Schulqualitätsdiskussion bildet die Evaluation. Nach einer gründlichen Begriffsklärung, die zu diesem Begriff besonders notwendig ist, entwickelt sie in die Praxis umsetzbare Handlungsstrategien und macht Lust darauf, „die große Chance für die Schule des 21. Jahrhunderts“ zu nützen.

Das Schlagwort von der „Öffnung der Schule“ wird mit einer Episode von Epikur in die Diskussion gebracht. In der Folge zeigt die Autorin die konkreten Möglichkeiten auf, die sich in der heutigen Gesellschaft als Notwendigkeiten erweisen, nämlich die Schule wieder mehr mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu bringen, um durch Öffnung Lebensqualität und Lebenssinn zu begründen.

Ein höchst aktuelles Kapitel betrifft die derzeitige Praxis von Schulversuchen mit Schulveränderungen „von oben“. Die Autorin empfiehlt hier eine "Politik der kleinen Schritte" als Gegengewicht gegen die oftmals chaotischen Verordnungen, die primär aus Spargründen erlassen werden. Um die heutigen und die zukünftigen Anforderungen, die an die Schule gestellt werden, erfüllen zu können, genügt es nicht mehr, so weiter zu machen, wie bisher. Vor allem an die Lehrerbildung wird die Forderung gestellt, Lehrpersonen zu einer neuen Professionalität zu führen.

Im vorletzten Kapitel nimmt die Autorin den Satz von Paul Feyerabend „Anything goes“ zum Anlass, um ein Kernthema unseres Lebens aus verschiedenen Blickwinkeln aufzugreifen – die Zeit. Hier werden viele Anregungen gegeben, wie man mit der Zeit und mit den persönlichen Zeitressourcen sinnvoller umgehen sollte. Eine Spruchsammlung und eine ausführliche Bibliographie schließen das Werk.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das vorliegende Buch von den Quellen der Autorin aus einer 30jährigen Schulerfahrung lebt. Darüber hinaus hat sie ihr Wissen als Schulmanagement-Trainerin und Mutter dreier Kinder eingebracht. Somit ist es nicht nur ein „Schulbuch“ geworden, sondern ein Lebenswerk, das vielen Menschen Bereicherung und Weisheit vermitteln möge.

Dr. Walter A. Fischer
Institut für Gesundheitspsychologie & Bildungsmanagement
Kirchschlag bei Linz

   

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